Die Mythen und Legenden die sich um Asiens Kulturen ranken, sind wohl so mannigfaltig wie ihre diversen Erscheinungsformen selbst. In den letzten Jahren gern gesehener Aufputz vieler Multikulti-Events ist gerade auch Japan und seine Musikkultur zum Ziel oftmaliger Verklärung geworden.
Ohne diese vermeintliche Sicht auf ein "Außen" soll "Uchiage - Improvisation in Japan und hier!" den Blick für die Unterschiede zwischen Japan und hier schärfen, in dem es in Theorie (Lectures und Workshop) und Praxis (Konzerte, Sessions), nicht nur die an der Oberfläche ersichtlichen Phänomene betrachtet, sondern vielmehr auch die unterschiedlichen Bedingungen der kulturellen Produktion, wie etwa Produktionsbedingungen, Werkzeuge oder auch Aufführungspraxis hinterfragt.
In den letzten Jahren konnten einige wesentliche Protagonisten der japanischen Musikszene die Aufmerksamkeit innerhalb der improvisierten westlichen Musik auf sich ziehen.
Die Rezeption des Dargestellten bleibt jedoch oftmals hinter den Möglichkeiten zurück, verharrt in Zuschreibungen und kurzatmigen Beobachtungen.
"Uchiage" soll nun dem/r Zuschauerin ermöglichen die diversen Musikerinnen des Festivals in Wien und Berlin an mehreren Tagen zu Beobachten - in eigenen Projekten, aber auch im offenen Austausch mit hier ansässigen Künstlerinnen und die Vielfalt des möglichen Ausdrucks jenseits von klischierten Bildern wie "Noisejapaner" und dgl. mehr zu erleben
Neben der Entmystifizierung des "Fremden" bei gleichzeitiger Betrachtung der unterschiedlichen Voraussetzungen will das Festival aber auch ein weiteres Merkmal inner- wie aussermusikalischer Spannung nicht außer acht lassen. Das Verhältnis männlicher Musiker gegenüber ihren Kolleginnen. So ist seit der Blütezeit japanischen traditionellen Musik bis heute ein zumindest nach Zahlen sehr ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu beobachten, welches im fast schon krassen Widerspruch zu jenem steht, welches in der neuen Musik, Improvisation und anderen Avantgarden hier besteht. "Uchiage - Improvisation in Japan und hier!" stellt daher den eingeladenen Musikern sowohl in Wien als auch in Berlin Musikerinnen gegenüber, die ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen.
Das Institut Fünfhaus dient der Umsetzung und Präsentation zeitgenössischer Musik als interdisziplinäre Kunstform und stellt sich zur Aufgabe, die bislang ästhetischen Positionen im Dialog mit Video, Foto, Film. Text, Internet etc. weiterzuentwickeln. Die langjährige Tätigkeit der dem Institut assoziierten Personen (wie Werner Dafeldecker, Christof Kurzmann und Burkhard Stangl) und Labels (charhizma records, durian records) auf internationaler Ebene und die dadurch bedingte Beeinflussung des künstlerischen Diskurses bedürfen einer, den aktuellen Entwicklungsprozeß transparent machenden, kontinuierlichen Darstellung auf lokaler Ebene und sind zentrales Anliegen dieser Institution.
|